10 Tipps für Vintage Portrait Fotografie

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Wer heute Portraitshootings von Fotografen anschaut, erkennt immer häufiger Bilder im Vintage-Look. Denn Vintage Fotografie liegt im Trend und findet insbesondere auf den sozialen Netzwerken immer mehr Beliebtheit.

Der Vintage-Look bezieht sich dabei auf einen Stil, der Fotografien aus vergangenen Jahrzehnten nachahmt, etwa aus den 1920er oder 1960er-Jahren. Es geht darum, Bilder zu schaffen, die sich nostalgisch anfühlen, fast so, als wären sie aus einem alten Fotoalbum entnommen worden.

Um diesen Stil zu erzeugen, muss man nicht ausschließlich softwarebasierte Filter oder Effekte anwenden, sondern auch die richtige Beleuchtung, Texturen und Techniken verwenden.

Damit die Fotografie im Vintage-Look gelingt, haben wir im folgenden eine Liste mit 10 praktischen Tipps vorbereitet.

Woran erkennt man Vintage-Fotografie?

Bilder im Vintage-Look haben oft einen weicheren Fokus, verblasste Farben und vermitteln ein Gefühl von Wärme. Der Stil wird insbesondere in der Portraitfotografie eingesetzt. Dabei gibt es fünf charakteristische Kriterien:

  • Niedriger Kontrast: Alte Fotos sind nicht so scharf wie die heutigen digitalen Bilder. An den Rändern sind sie meist etwas weich.
  • Gedämpfte Farben: Viele Vintage-Fotos haben eher verblasste und warme Töne.
  • Körnige Texturen: Ältere Filme hatten oft eine stärkere Körnung, was den Fotos einen rauen, nostalgischen Charakter verleiht.
  • Vignettierung: Dunkle Ränder um das Foto, die die Aufmerksamkeit auf das Motiv lenken.
  • Retro-Requisiten: Vintage-Fotos enthalten oft Dinge wie alte Möbel, Accessoires oder Kleidung. Typisch sind auch Aufnahmen in der Landschaft, z.B. in Feldern.

1. Tipp: Das richtige Equipment

Die heutigen Kameras sind meist allesamt so hochauflösend, dass ein Vintage-Look dem eigentlich widerspricht. Dennoch möchten wir eine solide Grundlage schaffen, um das finale Ergebnis zu perfektionieren. Am besten eignet sich eine DSLR oder spiegellose Kamera und ein Objektiv mit Festbrennweite, idealerweise mit 50mm f/1.8.

Mit einer hohen Lichtstärke von 1:1,8 erhältst du eine geringe Schärfentiefe. Das bedeutet, dass dein Motiv scharf, der Hintergrund aber schnell unscharf wird. Ideal für unseren Anwendungsfall.

Wenn du eine Filmkamera besitzt, kannst du diese für noch bessere Ergebnisse nutzen. Die Imperfektionen des Films können einen authentischeren Vintage Effekt schaffen, der mit Digitalkameras nur über Umwege zu realisieren ist.

2. Tipp: Geeignete Objektive

Idealerweise benutzt du ein Objektiv mit Festbrennweite, z.B. ein 50mm f/1,8 oder ein 85mm f/1,4 Objektiv. Dadurch erhältst du einen weichen Hintergrund, während das Motiv scharf bleibt.

Du kannst außerdem mit Weitwinkel fotografieren und dadurch Bokeh-Effekte erzeugen, welche ebenso häufig bei Portraits im Vintage-Look genutzt werden.

Ein altes 35mm Objektiv kann sich ebenso anbieten. Dadurch ist es leichter, körnigere Strukturen zu erzeugen.

3. Tipp: Lichthöfe erzeugen

Als Lichthof bezeichnet man einen Effekt, der überwiegend beim Fotografieren in starkes Gegenlicht auftritt. Dabei entsteht eine Überstrahlung um die Lichtquelle herum.

Um diesen Effekt technisch nutzen zu können, musst du etwas kreativ werden. Da wir insgesamt ein warmes Bild erzeugen möchten, tritt eine Überstrahlung um die Lichtquelle eher selten auf.

Du kannst aber probieren, durch ein eingestaubtes Glas, z.B. mittels UV-Filter zu fotografieren. Es gibt auch Schraubfilter, die du als technische Mittel einsetzen kannst.

Ist dies in der Praxis nicht möglich, so kannst du Lichthöfe auch nachträglich in der Bildbearbeitung erzeugen.

4. Tipp: Der richtige Standort

Mit Bildern im Vintage-Look möchte man das Gefühl vermitteln, dass die Bilder eine Geschichte erzählen. Die richtige Umgebung ist dabei die halbe Miete für perfekte Bilder. Du kannst ältere Gebäude, Wände mit abblätternder Farbe oder abgenutzte Möbel als Stilmittel nutzen. Geeignet können Industriegebiete, Cafés oder auch Weizenfelder sein. Hier kannst du gerne kreativ werden und dir z.B. in den sozialen Netzwerken Inspiration holen.

Auch Mietstudios können für dein Anliegen geeignet sein. Diese sind häufig themenspezifisch eingerichtet und können z.B. dem Look einer Industriehalle oder einer rustikalen Bar nachempfunden sein. In unserem Mietstudiofinder kannst du nach geeigneten Mietstudios in deiner Umgebung suchen.

5. Tipp: Das richtige Licht

Am besten eignet sich natürliches Licht für Vintage-Portraits. Draußen kannst du die goldene Stunde, also die Zeit zum Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang nutzen. Dadurch hast du weiches, diffuses Licht und das Erzeugen von Lichthöfen ist einfacher.

Wenn du drinnen fotografierst, kann es sich anbieten, neben einem großen Fenster zu fotografieren. Wenn das Licht zu kräftig ist, kannst du einen Licht-Diffusor oder weiße Tücher nutzen, um das Licht abzuschwächen.

6. Tipp: Einstellung der Kamera

Um einen weichen, unscharfen Hintergrund zu erzeugen, solltest du die Blende möglichst auf f/2.8 oder größer stellen.

Die ISO-Empfindlichkeit kannst du erst mal niedrig halten, um ein zu starkes Rauschen zu vermeiden. Du kannst den ISO-Wert erhöhen, wenn du eine stärkere Körnung haben möchtest.

Damit dein Motiv scharf bleibt, solltest du die Verschlusszeit möglichst angepasst an den Lichtverhältnissen, niedrig halten. In unserem Artikel zur Verschlusszeit, findest du eine Liste mit den passenden Werten für unterschiedliche Szenarien.

7. Tipp: Bildbearbeitung in Lightroom

In Lightroom kannst du deinen Bildern den finalen Vintage-Look geben. Dazu gibt es fünf wesentliche Einstellungsmöglichkeiten:

  • Temperatur: Da Vintage-Bilder häufig einen Gelbstich besitzen, kannst du damit beginnen, die Temperatur wärmer zu stellen.
  • Körnung: Wenn deine Bilder bisher keine Körnung haben, kannst du diese nun ebenso hinzufügen.
  • Schärfe: Mit verringerter Schärfe kannst du deine Bilder weicher machen.
  • Vignette: Durch das Hinzufügen einer Vignette wird der Rand des Bildes dunkler und die Aufmerksamkeit auf das Motiv gezogen.
  • Split-Toning: Durch das Split-Toning erhalten Lichter einen wärmeren und Schatten einen kühleren Farbton.

8. Tipp: Experimentiere mit Film-Emulation

In Lightroom und Photoshop gibt es sogenannte Filmemulatoren. Diese imitieren die Farbe, Körnung und Textur verschiedener Filmtypen. Einige dieser Voreinstellungen ahmen alte Polaroid-Aufnahmen nach, während andere den verblassten, weichen Look von 35mm Film hervorheben.

9. Tipp: Texturen für zusätzliche Tiefe

Mit der Nutzung von Texturen kannst du deinen Bildern zusätzlichen Charakter verleihen. Du kannst als Texturen z.B. zerkratzte Oberflächen oder ausgebleichtes Papier nachträglich in der Bildbearbeitung über dein Bild legen.

10. Tipp: Unvollkommenheiten hinzufügen

Vintage bedeutet, kleine Unvollkommenheiten und Mängel bewusst zuzulassen. Du kannst so z.B. Kratzer oder Staubflächen hinzufügen, um dein Bild lebendiger und einzigartiger erscheinen zu lassen. Diese kleinen Makel kannst du entweder durch z.B. die Nutzung von einem alten Film in einer Filmkamera oder durch die nachträgliche Bildbearbeitung hinzufügen.

Zusammenfassung

Bei dem Vintage-Look geht es darum, authentische Bilder zu erstellen, die Nostalgie erzeugen und Imperfektionen bewusst zulassen.

Um heutigen Portraitaufnahmen diesen Stil zu verleihen, gibt es mehrere Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Insbesondere das Equipment, Licht, der Standort und die nachträgliche Bearbeitung sind von entscheidender Bedeutung für gelungene Bilder im Vintage-Look.

Mit den unterschiedlichen Anpassungsmöglichkeiten bleibt dennoch genügend Raum für die eigene Kreativität und es entstehen als Ergebnis Bilder, die auch in der Zukunft noch zeitlos wirken werden.

Jan-Lukas Knoch
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Jan-Lukas Knoch
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